Projektbeschreibung

Georg Wenkers "Sprachatlas des Deutschen Reichs" (Erhebungszeitraum 1876-1887) ist der erste und bis heute umfangreichste Sprachatlas überhaupt. Mit seinen über 40.000 Erhebungsorten (ohne die Orte aus den Nacherhebungen) stellt er die einzige Gesamterhebung und kartographische Darstellung der Dialekte einer Sprache dar. Die 1.668 handgezeichneten Karten mit ihrer nie mehr erreichten Anschaulichkeit sind ein kulturhistorisches Gut ersten Ranges. Deshalb soll der gefährdete Atlas (die 22 Farben beginnen zu verblassen), der aus technischen und finanziellen Gründen niemals zur Publikation gelangt ist, gesichert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zu diesem Zweck wird das Kartenwerk des Wenker-Atlasses gegenwärtig verfilmt, digitalisiert, mittels verschiedener Datenbanksysteme erschlossen und im Internet publiziert.

Die heutigen technischen Möglichkeiten erlauben es, Wenkers Sprachatlas in einer Form zu erschließen, die die Aussagemöglichkeiten des Originals für die Wissenschaft beträchtlich erhöht (umfassende Registerfunktionen, Verbindung mit kulturhistorischen, sozialdemographischen und bibliographischen Informationen). Durch die Verknüpfung der sehr anschaulichen Karten mit Tonaufnahmen der Wenkersätze wird das Werk auch für interessierte Laien interessant. Die digitale Überblendung des historischen Kartenmaterials mit Karten moderner, durch professionelle Exploratoren erhobener Regionalatlanten eröffnet zudem ein neues linguistisches Forschungsfeld. Zum ersten Mal wird für eine Sprache der Wandel der gesprochenen Sprache über ein Jahrhundert hinweg systematisch analysierbar.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte das Projekt im Rahmen ihres Programms "Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen".